Ich blicke in die Ferne auf das Meer hinaus, der eisige Wind beißt unter der Rüstung, mit sich bringt er den Geruch des unter mir liegenden Hafens – Salz, alter Fisch und Spelunken. Das Treiben am Hafen hört nie auf, zu keiner Zeit ist es dort wirklich still und wenn doch hört man die Brandung, das Plätschern des Wassers gegen die alten zermürbten Holzpfeiler. Die wenigen Feuerschalen und Fackeln sind von hier oben nur flackernde Lichtpunkte, werfen lange Schatten an die Wände und geben dem aufziehenden Nebel einen weichen und diffusen Schimmer. Das laute Quieken einer Ratte schallt bis hier hinauf, offenbar hat ein Hafenarbeiter sie erwischt.

Meine Augen sind trübe, mein Verstand hellwach, ich bin ruhelos und doch warte ich geduldig. Ich merke selbst, dass mir diese Winterkälte für den Moment nichts ausmacht, kurz nur betrachte ich meinen linken Handschuh, richte ihn und ziehe die Riemen fest, bis das Leder sich offenkundig beschwert. Wohl fühle ich mich nicht in dieser alten Rüstung, zusammengestückelt aus diversen Teilen, doch sicher nicht meine. Die Kapuze habe ich tief im Gesicht, vermeide es Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Nachricht die ich heute erhielt führte mich her, warum ich der Aufforderung folge ist mir selbst erst klar als ich hier nun stehe und die Spuren sehe, sind meine Gedanken erfüllt von dem Geschehen des gestrigen Tages: wurde ich doch hier überrascht auf meiner Runde, ein hinterhältiger Angriff, Feige und doch koordiniert. Sie wussten, dass ich hier entlangkommen würde, sie hatten den Moment abgepasst, darauf gehofft, dass ich allein sei. Unvermittelt griff man mich an, ich hörte das Schwert die Luft durchschneiden einhergehend mit dem Gemurmel, ein Wirrwarr aus Stimmen der versuchte zu mir durchzudringen. Ein stechender Schmerz, der mich in die Knie zwang, eine Lage aus der sich nur schwerlich mit dem Zweihänder kämpfen lässt, ich traf die Entscheidung es zur Seite fallen zulassen und schlug mit der Faust zu.

Wohl ein glücklicher Umstand und der Beistand des Lichts erlaubten mir einen Treffer, ich gewann etwas Abstand, genug um mich aus dem nächsten Schlag zu drehen und meine Waffe aufzuheben, doch bevor ich aufstehen konnte prasselte ein Schlaghagel auf mich ein. Ich packte mein Schwert mit der linken Hand an der Klinge, die rechte am Schwertheft, hob es so über den Kopf,um die Schläge des Angreifers zu blocken. Mein Kopf schwirrte von den befremdlichen Worten die sich wiederholten, und meine Konzentration verlies mich kurzzeitig. Benommen erblickte ich nach dem nächsten Schlag, der mit der Wucht von gefühlt drei Männern meine Abwehr durchbrach, diese Fratze, dort wo das Gesicht hätte sein sollen gab es nur giftgrüne Augen, die durch die anbrechende Nacht zurückstarrten, eine hässlich verzogene Fratze – eine Maskerade die das Blut in meinen Adern annähernd gefrieren lies. Die Formeln wurden lauter und der Blick meines bewaffneten Angreifers wirkte hypnotisierend, er lies mich einfach nicht los. Diese stechenden Schmerzen in der Brust ließen mir kaum Luft zum Atmen, mein Körper wollte mir nicht länger gehorchen, es wurde langsam schwarz vor meinen Augen. Letztlich war es der Gedanke an meine Kinder, meinen Mann und das wofür ich Einstand, das mir half langsam zu mir selbst zu finden.

Ich bat, nein ich flehte das Licht an um Beistand, um einen Akt seiner Barmherzigkeit mir die Kraft zu schenken wenn auch nur für einen Moment. Beharrlich hatte sich auch der zweite Angreifer genähert, beschwörend redete er auf mich ein und dies beklemmende Gefühl wollte nicht aufhören. „Eisern … Eisern von Innen – Eisern nach Auß… Außen!“ kam es bebend über meine Lippen, ich rezitierte mein Gebet, mein – nein unser Mantra und schloss die Augen. Ich schaffte es die Stimmen durch das Lachen meiner Kinder zu ersetzen, das tiefe Brummen darin durch meinen Mann. „Niemand wagt es …“ und drückte mich gegen die Angriffe des grünäugigen Monsters auf die Beine. Ich zitterte vor Anstrengung, doch es ging um weitaus mehr als meinen Angreifern bewusst war, ich musste gewinnen, stark sein und wohlmöglich mich selbst beweisen, verlieren war zu keiner Zeit eine Option.

Die Überraschung war zumindest dem Zauberwirker ins Gesicht geschrieben, schnell sucht er eine Möglichkeit im Schatten zu verschwinden und ich nutzte die Gunst des Lichts in dieser Stunde und kämpfte mich zurück. Verwundet, angeschlagen und kaum in der Lage geradeaus zu gehen, ließ ich das Licht meine Waffe führen und mich leiten, besann mich auf meine Stärken und gewann mehr an Boden. Viele Treffer musste ich hinnehmen, doch teile ich ebenso aus. Ein Angriff von ihm, ein hoher Sprung, die Waffe des Angreifers, versehen mit einer Aura, die am Lebenswillen nagt, führte er beidhändig, stürzte sich so auf mich, ich reagierte, zoge den linken Arm nach oben, griff dann mit beiden Händen mein Schwert und zog es von unten nach oben durch, in seine Attacke hinein.

Meine Klinge gehüllt in den sanften Schimmer des Lichts traf ihn, meine letzten Kraftreserven lagen in diesem einen Hieb, dieser letzten Möglichkeit den Kampf zu meinen Gunsten zu entscheiden. Keine Zweifel, Eisern nach Außen, für meine Familie – schoß es immer wieder durch meinen Kopf. Ich weiß nicht mehr wohin die beiden verschwanden, doch ich weiß ich landete einen Treffer, der beiden den Atem verschlug, sie zum Rückzug zwang.

Ich höre ein räuspern aus den Schatten öffne meine Augen – hatte ich sie im Gedanke an gestern wohl geschlossen und ein Mann – um einiges größer als ich doch kaum von der Statur eines Kämpfers tritt auf mich zu. Er trägt ein Kurzschwert bei sich, gehüllt in einen weiten Mantel, der ihm jedoch einen schnellen Zugriff auf seine Waffe erlauben würde, das Gesicht mit einem langen Schal umschlungen. Eine magische Aura umgibt ihn “Sieh an, die kleine Crawford hat also tatsächlich gelernt zu kämpfen. Ich war ja fast beeindruckt von dieser Einlage gestern, doch hättest du meine Leute nicht so zurichten müssen – Nyka” höre ich die mir alte Bekannte Stimme, lege die Hand auf das Schwertheft und versuche einen Blick zu erhaschen. “Es heißt nun Lendson und du wirst wohl nicht mehr dazu kommen ihnen Lebewohl sagen zu können” kommt es über meine Lippen, ein Reflex ausgelöst durch eine Bewegung von ihm und ich halte mein Schwert unter sein Kinn.

“Ich nehme an Du hast mir diese Nachricht geschickt, nachdem das gestern nicht ganz nach deinem Plan lief? Du solltest dich kein Stück mehr bewegen Jakob” wird mein Griff um das Schwertheft fester und ich drücke sein Kinn höher, meine Stimme bebt dabei, ich höre mich selbst brummen. Er lacht nur laut auf und kurz darauf fällt sein Mantel zu Boden, zurück bleibt nur der Hall seiner Stimme “Du wirst tief fallen kleine Nyka. Ich werde – so wie früher schon – gewinnen. Und alles was von Bedeutung ist für dich, wird mit Dir untergehen” „Große Worte ohne Halt“ brumme ich ungehalten während ich mich auf den Rückweg zum Quartier mache.

(Nyka Lendson, 03. Tag des zwölften Monats)

In den frühen Morgenstunden fand man sich am Übungsplatz wieder. Die Vögel begannen zu zwitschern, der Wasserfall ließ das eiskalte Wasser in den See rauschen. Vor mir stand er, der Neue. Muskolös wie ein Ork.. und sicher verhielt er sich auch so. Ein Faustkampf, forderte er. Gab sich Siegessicher. Ob dieser Forderung musste ich doch müde lächeln und entledigte mich meiner Bewaffnung. Nett, wie er war, entnahm er noch einige Rüstungsteile, während ich ihm dabei zuschaute. Ein Götterbildnis, dachte ich. Doch genug der Gedanken, ich wusste, dass ich ihm meine Autorität einprügeln musste. Er würde schon sehen, was er davon hat, mich herauszufordern. Ich rannte auf ihm zu, um meine erste Handlung zu vollziehen, geschickt wollte ich ihn in eine Finte rennen lassen, als ich hinter ihm zum stehen kam und den Arm um ihn schlingen wollte. Doch griff er nach meinem Kragen, wollte mich über seinen Leib buchsieren. Welch Kraft. Drum hielt meine letzte Chance gewahr, mich mittels meiner Schenkel an seinem Kopf festzuhalten und ihn mit Schwung auf dem Boden zu bringen. Ich war zu leicht. Nein. Das gibt es nicht. Dieses Monster kann doch nicht allen ernstes Immun sein und mit mir umgehen, wie ein Spielzeug? Er schaffte es, irgenwie, mich auf seine Schulter zu schmeißen. Langsam wurde ich wirklich ziemlich verärgert. So drückte ich ihm den Daumen zwischen Halsbeuge und Schlüsselbein hinein. Es schien zu wirken, meine Wut ließ langsam nach. Viele Gedanken schmeichelten mir, in diesem Moment… Doch keinen sinnvollen. Ich muss mehr trainieren, dachte ich. Der Kerl kann mich nicht besiegen. Nicht mich. Und doch kam immer wieder der Gedanke zurück, zu den Gesprächen, die ich vorher mit ihm führte. Niemand bringt mich aus der Fassung. Auch er nicht. Noch während meiner Gedanken ging er in die Knie und rieß mich von ihm, zu Boden. Langsam entfloßen die Gedanken, als sich seine Hände um meine Kehle legten und der Druck sich erhöhte. Ich schaute ihm entgegen. Da war ich wieder, der Eisblock. Nun konnte es weitergehen! Ich versuchte mich von ihm zu lösen, indem ich meinen rechten Fuß zum Tritt gegen seinen Schädel erhob… Doch ich kam nicht an, er wehrte ihn einfach ab? Wehrlos fühlte ich mich unter den dominanten Fängen dieses Vollidioten, der nunmehr meine Wange mitleidend streichelte. Genug. Ich wollte ihm ins Gesicht boxen, doch auch das half nicht. Jahrelang ließ man mich in dem Glauben, keinerlei Schwächen zu haben… Niemand konnte mir das Wasser reichen und nun lag ich hier. Ich schaute auf meine Hand, starrte sie regelrecht an, die er einfach lässig parrierte. Dieser verlorene Kampf.. ihr erster seit Jahren, hatte sie einem Aspiranten zu verdanken. Er packte mich am Kragen und richtete mich auf, in gewohnter, brachialer Manier. Ich starrte ihm entgegen. Dieses Gefühl, wehrlos zu sein, blieb. Es machte sich breit, während ich jede Facette seines Gesichts nieder starrte. Nicht böse oder wütend. Noch bevor es noch peinlicher wurde, wollte ich weg. Ich nahm meinen Gurt und ging. Was sollte ich ihm auch noch großartig sagen? Ich brauche Ruhe. Unser Spiel hat gerade erst begonnen.. So leicht wird er mich nicht dominieren. Ich mache die Spielregeln und er hat sich daran zu halten. Ich verliere kein Spiel. Keines! – Es brodelte fürchterlich in mir. Ich wollte den Gedanken los werden, dass ich einen Gegner gefunden habe und im Begriff war, tatsächlich zu verlieren. Ich bin Eisern…!

(Jil Flux, 18. Tag des elften Monats)

„Selten schreibe ich nieder was Geschieht und was ich denke. Doch nun wohl dessen was mir und den meinen wiederfährt Schreibe ich diese Zeilen nieder.“

Das Land liegt brach. Es ist Zerstört, egal wohin das Auge erblickt Tod und Verwüstung. Wie viele Bauern haben es geschafft zu fliehen. Wieviel der Ernte konnte eingeholt werden und befindet sich auf dem Weg zur Hauptstadt?
Fragen derer Beantwortung ich mich jetzt nicht kümmern kann. Zu vieles bedarf meiner Gedanken und meiner Aufmerksamkeit. Seit einigen Tagen nun schon kämpfen wir Tag für Tag um die zu retten die es wert sind gerettet zu werden. Lange Zeit gab ich mich dem Gedanken hin das diese Adelshunde oder vielleicht die Diener der Kirche der Dringlichkeit und der Lage in Westfall gewahr werden und uns Entlastungstruppen zur Seite schicken. Doch nichts dergleichen geschah. Ich erfuhr durch meine Frau wo sich die stolzen und geeinten Truppen der ,,Verbündeten“ befanden.
Noch in Dalaran vor wenigen Monaten sprachen sie darüber das man geeint kämpfen müsse. Doch wo sind sie nun? Wo sind ihre Banner die im Winde wehen? Wo sind ihre Streitkräfte die zusammen mit den unseren Bluten und Kämpfen?
,,Sie sind bei einer Adelsfestung.“ So sagte es mir mein Eheweib. ,,Bei einer Adelsfestung? Was treiben die dort? Sehen sie nicht dass die Bauern Hilfe brauchen? Erkennen sie nicht dass die Kornkammer des Reiches vergeht und stirbt? Erkennen sie nicht den Wert des Volkes welches ihnen dient und sie versorgt?“ Dies waren meine Worte.
Es bedurfte keiner Antwort. Denn ich kannte sie bereits. Das Leben des Adels war für sie wichtiger.
Ich sah mich weiter um. Sah meine Brüder und Schwestern. Verwundet…erschöpft und in Trauer.
Unsere eigenen Verstärkungstruppen würden uns nicht erreichen können. Sind sie doch selbst in Kämpfe verwickelt. Die Ordensmission selbst steht unter Belagerung. Ebenso gehen unsere Vorräte zur Neige. Die Versorgungslinien sind zusammengebrochen und fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Die permanenten Angriffe der Legion haben dafür gesorgt.
Also was tun? Weiter kämpfen und dem wüten der Legion zum Opfer fallen? Den Niederträchtigen Wendehälsen die Freude unserer Vernichtung machen?
Nein, das wird nicht geschehen. Wir haben getan was wir konnten. Gerettet so viele wir konnten. Der Krieg ist nicht vorbei. Das ist nur der Anfang. Wir überdauern. Heute leben… morgen Kämpfen.
So gab ich den Befehl. Den bisher schwersten meines Lebens. ,,Rückzug! Wir ziehen uns zurück nach Sturmwind. Brüder und Schwestern. Wir haben getan was wir konnten. Doch der Verrat zwingt uns dazu. Wir werden uns neu formieren. Uns neu ausstatten und versorgen. Und zurückschlagen! Wir mögen hier gescheitert sein! Doch dies ist nicht das Ende.“ so sprach ich zu den meinen. Ich erkannte die Enttäuschung und die Ermattung. Mir selbst erging es nicht anders.
So nahmen wir was unser war und begaben uns auf den Rückmarsch nach Sturmwind.
…Niederlage… immer wieder schwirrt dieses Wort in meinen Kopf. ,,Wie konnte dies geschehen?“
Ich weiß es und ich werde dafür sorgen dass so etwas nie wieder geschieht. Nie wieder werde ich jenen trauen die uns zum Sterben allein ließen. Niemals wird ihnen das vergessen werden. Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht.
,,Eisern von Innen. Eisern nach Außen!“

(Großmeister Björn Lendson, 22. Tag des achten Monats, Auszug aus dem Tagebuch)

Die kühlen Abendstunden, die Stadt teils geschäftig, teils in einem Zustand wachsender Resignation. Die Menschen horten was sie in die Finger bekommen können, argwöhnisch wird vor dem anderen Verborgen was man selbst sein eigen nennt. Eine gewisse Unruhe beschäftigt alle, selbst die Tiere scheinen zu Wissen, das dieser Winter hart werden würde. Die jaulende Katzenbande nahe des Friedhofs, das stetige Plätschern des Brunnens hinter der Kathedrale, nur unterbrochen von dem beißenden Windböen, die durch die Gassen fegen, lamentieren in ihrem unwirklichen Lied die Verluste an den Fronten, jagen einem die Schauer über die Haut. Die Feuchtigkeit der herbstlichen Regenschauer zieht einem bis ins Mark.

Hier und da treffen sich Bürger, diskutieren konsterniert über das hier und jetzt, wie es weitergehen soll, wem Vertrauen entgegengebracht werden kann. Wir gehen unsere abendliche Runde, niemand auffälliges bis auf den ein oder anderen huschenden Schatten. Ich stehe am Rand des kleinen Sees, blicke ins Dunkel, die wenigen Lichter spiegeln sich dort, tanzen auf dem Wasser, doch ständig bleibt das Gefühl beobachtet zu werden. Unser Weg führt uns zurück zum Quartier, aufmerksam schaue ich mich um, die Unterhaltung wie so oft – endet mit den aktuellen Berichten, den Informationen über die Tätigkeiten der Brüder und Schwestern.
Ein kurzes durchatmen, als ich zum Tor sah, der Blick wanderte über die schemenhaften Mauern, just in diesem Moment, ein heller Lichtblitz, ein Feuerstoß, das Zischen einer Kugel durch die Luft, unwirklich – die Zeit steht still, nur dieser einziger Gedanke beflügelt mich: zu schützen was ich zu schützen gelobte. War die Kugel für ihn bestimmt?

Das Mündungsfeuer zeichnet eine hässliche Fratze schattig an die Wände, eine vermummte Gestalt verschwimmt in meinem Blickfeld, erst dann höre ich den Schuss selbst. Ich spüre wie meine Beine nachgeben, ich dem Boden stetig näher komme. Mein Blick zu meiner linken Seite gerichtet, lächle ich kurz unter dem Helm als mir gewahr wird das ihm nichts geschehen ist. Ich fühle mich schwer und doch erleichtert, das Lachen meiner Kinder tönt in meinen Ohren, ihre neugierigen Augen sehen mich an, die kleinen Hände greifen nach mir und Bilder vergangener Zeiten erobern meine Gedanken bis ich getroffen auf den matschigen wenn doch harten Boden falle. Die Luft zum Atmen entweicht meinen Lungen und ich spüre noch das Beben der schweren Stiefel neben mir, höre den lauten durchdringenden Kampfesschrei bevor es dunkel wird, mich das Licht umarmt.

Ich bin allein mit mir selbst meinen Gedanken, dem Licht und dem Funken in mir, der nicht erlöschen will, nicht erlöschen wird. Eisern von Innen – Eisern nach … Außen!
(Nyka Lendson, 15. Tag des elften Monats)

*die frühen Morgenstunden, der Nebel wabert über die Berge sachte in die Mauern der Stadt, erhebt sich aus den Kanälen und liegt schwer in den Straßen, klamm fühlt er sich an, nur langsam erwacht die Stadt aus der nächtlichen Lethargie, doch am Rande der Altstadt hört man bereits reges Treiben, das Lachen von Kindern, eine tiefe Stimme die sie ermahnt, an einem kleinen Tisch in der Ecke brennt eine Kerze in den letzten Zügen und eine Feder kratzt über Pergament*

„In unserer Welt existieren Schatten ungeahnten Ausmaßes, darin verborgen was sich dem Licht entziehen will und bereits entzog. Unweigerlich bilden sich Risse im Gefüge, dunkle Schlupfwinkel für die Brut des Bösen. Sie verstecken sich dort, halten sich am Leben und alles und jeder verdirbt zu dem, was niemand sein möchte: eine willenlose Marionette – eine unruhige Seele, ein vom Glauben abgewandter Geist. Zwischen dem vermeintlich machtvollen Adel in seinem Prunk und den mit dem unentbehrlichen Willen zu überleben ausgestattetem Volk bewegen sich jene, die daraus Profit schlagen. Macht, Habgier und Dekadenz zum Preis vom Leben ungehindert so scheint es breiten sie sich aus. Sie sind Grenzgänger zwischen der Realität und den Wünschen des Volkes. Sie sind die lachenden Dritten inmitten der mystischen Verschwörungen, des Hungers der Legion und dem was wir ihnen entgegenstemmen.

Das Licht stellt uns alle vor diese eine Prüfung: Ist unser Glaube und Wille stark genug den Schatten zu widerstehen. Wo liegen unsere Prioritäten, suchen wir nur nach Gerechtigkeit oder besinnen wir uns auf die göttliche Magie des Lebens in uns?

Zu lange stehen wir alle schon still, zu lange haben wir mit angesehen was mit unserer Welt geschieht!

Stillstand ist der schleichende Tod, denn bleiben wir weiter stehen, umschließen uns die Schatten, begraben uns bei lebendigem Leib unter sich und was bleibt ist nichts. Nichts wofür es sich zu kämpfen lohnt, nichts was wir unser eigen nennen könnten.

Ich kann und werde nicht aufgeben, ich werde bis zum letzten Atemzug kämpfen, das Licht steht mir bei. Es steht uns allen bei, wir müssen nur lernen zu akzeptieren, wer und was wir sind. Eisern von Innen – Eisern nach Außen!“

*sie legte die Feder zur Seite, hob ihren Blick vom Pergament, schloss das Buch und sah mit einem wohlwissenden Lächeln zu den dreien, erhob sich und setzte sich zu ihnen auf den hölzernen Boden, der sorgenvolle Blick wich dem einer fürsorglichen Mutter, sie nickte ihm wortlos zu während beide die kleinen Racker versuchten im Zaum zu halten, da durchbrachen die ersten Sonnenstrahlen die Nebelschwaden und die Welt schien für einen Augenblick stillzustehen*
(Nyka Lendson, 1. Tag des elften Monats)

Die abstrakte Kunst eines Modernen

Ich keuchte dem Boden entgegen. Alle Viere hielten meinen Körper aufrecht, der Schweiß tropfte mir von der Stirn und dem Kinn. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Doch keiner dieser Gedanken ließ mich an meiner Handlung zweifeln. Der Schädel hob sich langsam, als es langsam anfing, in den Morgenstunden, zu nieseln. Erschöpft griff ich zu dem besudelten kleinen Gewichten und richtete mich wieder auf. Meine Fußgelenke selbst, schwer in dem seichten Matsch des Bodens, ließen die Füße durch den Matsch schliddern. Bewegungen gleiten filigran durch die Witterung und dem seichten Schein der Morgenröte, die den seichten Regen glitzern ließ. Mein Gegner, die Luft, war noch lange nicht so erschöpft, wie ich es war.
Doch musste mein Körper trainiert werden. So wie auch meine Sinne.
Ich schloss die goldbraunen Iriden und ließ mein Gesicht mit dem klammen Haar bedecken, während meiner Kampfübungen. Wieder rutschte ich aus und landete im Dreck.
Meine letzten Unterhaltungen gingen mir durch den Kopf, während ich am Boden lag und zum Himmel aufschaute.
Niemand konnte verstehen, weswegen ich dem Orden treu bin. Niemand konnte verstehen, warum ich nie freier war, in diesem Orden, unter diesen Regeln, unter diesen Tugenden.

Dieses trostlose Leben begleitete mich bereits mein Leben lang. Denn alles, was ich je konnte, ist das sein, was ich bin.
Durch und durch Moderne.
Ich lernte im Orden die Gefühle auszuschalten, Verluste zu erleben und zu verarbeiten..
Ich lernte im Orden, was es bedeutet, meine Fähigkeiten gegen das Böse einzusetzen. Ich muss nicht freundlich sein oder gar an das Licht glauben, um gutes zu tun. Die Handlung zählt. Nennt es abstrakte Kunst oder nennt mich verbittert.
Ich wäre nie so weit gekommen, wenn mein Wille nicht so stark gewesen wäre. Mögen noch mehr kommen und vom Orden abraten..
Langsam richtete ich mich auf und ließ die Gewichte aus der Hand, um mein Schwert und Dolch zur Hand zu nehmen.
Es gibt nur einen Weg. Auf diesem Weg begleitet mich der Orden und all jene, die dieses nicht akzeptieren, werden unter meiner Hand sterben. Ich merkte, wie meine Mundwinkel zuckten, zwischen den einzelnen Strähnen, die noch immer an meinem Gesicht hafteten. „Ich bin der Tod.“ zischte ich gar verschwörerisch und ließ das Schwert mit der linken Hand nach hinten gleiten, während die rechte Elle sich vor mein Gesicht zog. Der Dolch wurde gedreht, um die Klinge der Elle folgen zu lassen. „Niemand wird mich aufhalten.“ – Ich rannte durch den immer stärker werdenden Regen. Die Gewichte an den Fußgelenken ließen mich mit jedem Schritt einsacken, ehe sich die Füße vom Boden abdrückten. Ich sprang auf einen schmalen Stamm und drehte mich galant und schnell. Die Klinge des Schwertes surrte durch die Bewegung.

Ich richtete mich gänzlich auf, mit voller Stolz starrte man zu dem See am Übungsplatz.
Die Rüstung war gänzlich vom Schlamm besudelt, lediglich das eiserne Kreuz stach noch von dem braun und schwarz hervor, als ich tief einatmete und der Brustkorb sich erhob.
Ich stand einige Minuten dort, motivierte mich durch meine Gedanken. Fast schien es, als würden im Hintergrund Trommeln ertönen, als der Regen aufhörte und dem Nebel Platz schaffte.
Eben jener tänzelte sich langsam um meine Gestalt, als ich die Waffen senkte. Mir wurde klar, dass es kein Zurück gab.
Meine Loyalität übernahm meinen Geist, mein Wille übernahm meine Handlung.

Mein Ziel wurde erreicht… Ich bin nun Hexenjäger. Durchaus bin ich noch lange nicht am Ende.. der Orden wird noch mehr für mich bereithalten. Und anders, als die Traditionellen, .. werde ich aus freien Stücken Handeln.
Ich werde Handeln, wie es mir beliebt. Niemand wird mir etwas vorschreiben.
Der Orden ist kein Gefängnis. Der Orden ist eine Lebenseinstellung.

‚Fürchte mich, denn ich werde dein Tod sein‘ zischte ich noch, als ich die rechte Hand ruckartig zur Seite hob, der Dolch flog mir aus der Hand, zielgerecht und durchbohrte ein Kanickel.
(Jil Flux, 27. Tag des zehnten Monats)

Langsam öffneten sich die Augen und die Rippen pressten sich gegen die feine Haut des Oberkörpers, einatmend, aus einem schlechten Traum erwacht. Tautropfen haben sich bereits auf der Rüstung gebildet und erste strahlen weckten mein Interesse. Der Kopf hob sich über die prunkvolle Mauer der Altstadt, um die Sonne zu begrüßen. Vielleicht ein letztes Mal, in diesem Leben. Nichts erschütterte mich mehr, als die Tatsache, an den folgenden Tagen keine Möglichkeit zu finden, mein Versprechen tatsächlich einhalten zu können. Das Versprechen Gegenüber jenem, an dem ich mich bindete, dem ich glaubte, trauen zu können. Meine Lippen verzogen sich zu einem mildem lächeln. „Was sollte einer Hexenjägerin, wie mir, schlimmeres passieren, als sein Herz an einem Hexer zu verlieren?“ – Der Tod durch einem. Just in diesem Moment wurde ich aus dem Gedanken gerissen, der mich blind werden ließ. Die Tür vom Quartier knarzte und öffnete sich. Es war soweit. Schwere Schritte, Plattenrüstung schepperte und ließ sogleich meinen Kopf hinab senken. „Eisern von Innen.“ sprach ich respektvoll zum Großmeister. Jener schaute streng in meine Richtung, tief im Inneren konnte ich seinen Jähzorn spüren, den Willen zu kämpfen. Mit ihm sammelten sich auch die anderen Mitglieder des Ordens. Glänzende Plattenrüstung, ernste Gesichtszüge … Meine goldbraunen Iriden folgten der Reihe der Ordensschwestern und Brüder und mir wurde klar, dass wir diesen Krieg letztendlich nur bestreiten, um den Eid folge zu leisten. Loyalität, Vertrauen,.. unser Leben für den Orden.. Der Orden für das Licht, das Licht für die Allianz. Der Gedanke schmerzt, eben jene sterben zu sehen, auf die qualvollste Art und Weise. Tief atmete ich durch, versuchte eben jenen Gedanken zu verdrängen und lauschte den motivierenden Worten des Großmeisters. Es wird meine Bestimmung sein. Und ich werde diesen Kreaturen nichts schenken. Mögen sie noch so mächtig sein, ich bin nicht soweit gekommen, um mir das zu versauen. Was auch immer die Brüder und Schwestern motiviert, wir haben den gleichen Weg. Wir werden ihn gemeinsam gehen, solange wir Leben.
(Jil Flux, 10. Tag des achten Monats)

Es war der Moment in den frühen Morgenstunden als der Singsang der Vögel mit einem Mal verstummte, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie war im Stall, die Tiere waren bereits die ganze Nacht unruhig und jeder Versuch auf sie einzureden, jeder Apfel, jede Möhre erwiesen sich als vertane Mühe sie zu beruhigen. Ihr Pferd sah sie mit weit aufgerissenen Augen an als sie aus der Box trat, nach draußen ging und dabei die Faust ballte, leise murmelnd „Es hat also begonnen“, sie ging zum Quartier, atmet tief durch bevor sie an den Wachenden vorbeiging, ein stummes Nicken und der vielsagende Blick der Brüdern und Schwestern zeugte von purer Entschlossenheit. „Weckt alle und bereitet unsere mögliche Abreise vor.“ So entschwand sie schnellen Schrittes in das Gebäude hinauf in die Schlafgemächer, öffnete die Türe behutsam, ganz entgegen dem was sie empfand, was sie spüren konnte, ein kurzes Lächeln, als sie die beiden auf den Armen von Schwester Jasyca und dem Wissensbehüter des Ordens sah. Die letzte Kleinigkeiten zusammengesucht jedem der beiden ein kleiner Plüschelek gereicht, betrachtete sie beide einige Augenblicke. „Ihr wisst beide was zu tun ist“ während sie sich die Rüstung anlegte und die Iriden immer wieder prüfend die beiden kleinen Bündel musternd „ihr bringt sie in Sicherheit und egal was passiert – ihr tragt die Verantwortung das die beiden überleben. Ich werde versuchen gelegentlich vorbeizuschauen – doch die Pflicht ruft“ sprach sie ernst, zog die letzten Riemen fest und ging zunächst zu Aurelius, küsste ihn auf die Stirn „Dein Vater und ich werden bald wieder bei euch sein“, dann ging sie Nayeli, gab auch ihr einen Kuss auf die Stirn „Pass auf deinen Bruder auf“. Niemand konnte sehen wie es in ihr aussah, wie sehr sie dies schmerzte loslassen zu müssen, die Gewissheit, dass es wohlmöglich der letzte gemeinsame Augenblick sein könnte. „Ich hoffe das Geschenk der Kirin Tor bringt euch sicher ans Ziel“ und reichte dem Wissensbehüter einen Beutel. „Eisern von Innen und das Licht mit euch“ dann wandte sie sich um, Griff ihr Schwert und ging ohne zurückzuschauen aus dem Gemach, hörte währenddessen die Türe der Schreibstube auffliegen. Das Geräusch der schweren ihr so bekannten Schritte kam auf sie zu und sie wusste genau was in ihm vorging, lediglich ein bestätigendes Nicken auf einen fragenden Blick von ihm bevor sie zusammen die Treppen hinunter gingen, kein Blick zurück, kein Moment des Zweifels, als man den sanften blauen Schimmer eines Portals unter der Türe des Gemaches hindurchflackern sehen konnte. Die Tür vom Quartier knarzte laut und unwillig als er sie öffnete, sie folgte ihm auf dem Fuß. Es war soweit. Schwere Schritte, Plattenrüstung schepperten aus allen Ecken des Quartiers und vor der Tür ließ eine der Schwestern sogleich den Kopf hinab senken. „Eisern von Innen.“ sprach sie respektvoll zum Großmeister. Jener schaute streng in ihre Richtung, und man konnte seinen Jähzorn spüren, das kochende Blut und den unbeugsamen Willen zu kämpfen. Sie selbst blickte den übrigen Brüdern und Schwestern in die Augen – jeder von ihnen bereit den Weg zu beschreiten, sein Leben für das Licht zu geben, für das Volk und das Licht zu kämpfen. Es war soweit: Die Legion war zurück und sie würde sich der Herausforderung stellen. Für das Licht, für den Orden, für ihre Kinder und die Zukunft von Azeroth!
(Nyka Lendson, 12. Tag des achten Monats)

Gespenstische Stille lag über der Späherkuppe, fahl das Mondlicht welches den Schauplatz des Gemetzels in doch beruhigend weiches Licht tauchte, nur der süßliche Geruch von Blut, Schweiß und Schwefel, ein bestialischer Gestank des Todes lag in der Luft und die aufgebarten Leichen an der Mauer zeugten von dem was sich noch zuvor dort abspielte. Sie lehnte sich mit den Armen gekreuzt auf eine der letzten stehenden Zäune, der Helm auf dem Pfahl neben ihr platziert, atmete tief durch und blickte hinauf zum Mond der als wäre nichts geschehen am Himmel stand, versuchte kurz jene Moment in ihr Gedächtnis zu rufen. Die Bilder die ihre Gedanken erfüllten …

Der Himmel verdunkelte sich, durchzogen von grellgrünen Blitzen, das Laute Grollen tausender Bestien hallte über das Land hinweg als dieses fliegende Ding auftauchte, wie aus dem Nichts, grünflammende Gesteinsbrocken fielen zu Erde hinterließen Einschläge so tief wie Mann hoch, überall erschienen sie, Portale, grün schimmernd, die Vorboten des Bösen, daraus entstiegen Dämonen, einige so gewaltig, dass selbst der Turm von Karazhan klein wirkte. Die Luft kaum zum Atmen mehr, erfüllt von Fel, der alles zerstörenden Macht, pures Gift und der Träger jeglicher Korruption. Seelenfressende Maschinen, Teufelshäscher wie man sie nannte, stampften die Ernte nieder, ließen nur eine Spur purer Verwüstung zurück. Die Kornkammer der Menschen brannte hässlich grün. Sie hatten alle Kräfte mobilisiert, stellten sich den Ungetümen entgegen, „Angriff“, „Sammeln“, „Verteidigen“, „Sammeln“ – die Befehle gingen fast unter in den Kampfschreien, die Brüder und Schwestern wichen kein Stück zurück, hier und da das kehlige Gurgeln anderer Kämpfer, sterbender Dämonen, nur nicht nachlassen – doch was genau war das Ziel oder war es der Kampf selbst? Metall auf Metall, wieder und wieder sausten die Waffen durch die Luft, trafen den Gegner. Doch es hörte nicht auf – dort wo ein Dämon fiel, standen zwei neue auf… Dann durchbrach eine Stimme den Gedankengang „Nyka“, sie blickt auf und sah zu ihm, nickte kurz und griff ihren Helm, langsam humpelte sie ihm entgegen, die Siegel an der Rüstung zerstört, die Pergamentrollen verbrannt, nur eine einzige schien fast unversehrt zu sein, jene unterhalb der Schulterrüstung, ein niedergeschriebenes Versprechen. Sie ließ sich wortlos auf einen kleinen Baumstumpf nieder, begutachtete ihr Bein, in dem Leder der Ferse hingen am Stiefel noch die Fänge eines dieser Hundeähnlichen Dämonen, einer tief hineingetrieben, der nun für den unangenehm stechenden Schmerz sorgte.

„Du weißt was so ein Biss anrichten kann“ brummte es von der Seite. „Sicher, doch es ist alles gut“ zog dabei ihre Handschuhe aus und entfernte die Reste so gut es ging mit dem Dolch, erhitzte ihn um die Wunde nachdem sie den Stiefel auszog auszubrennen. „Wir werden Verstärkung brauchen“ „Sicher, doch wen? Der Adel kämpft mit Truppen im Rotkamm um eine Burg, wohlmöglich wissen sie noch nicht was hier vor sich geht oder ignorieren es“ sie sprachen leise, immer wieder unterbrochen durch Schreie des Todes, unsäglicher Schmerzen und dem Schluchzen einiger die den Verlust ihrer Geliebten betrauerten. „Wir haben schwere Verluste zu beklagen – viele der Bauern hier hatten keine Chance.“ Er brummte laut und sah ins Feuer dabei. „Alles was kämpfen kann – wir haben die Lieferung aus der Mission – ich lasse sie herbringen oder Verlegen wir?“ eine Frage die unbeantwortet blieb, man sah zum Himmel hinauf, als erneut ein Unwetter aufzuziehen schien, doch diesmal waren es Wolken – sie brachten Regen der den Tag und die Geschehnisse dennoch nicht vermochte wegzuspülen. Nur die Rinnsale des Blutes die ihren Weg in die Erde suchten nahm er mit.
(Nyka Lendson, 18. Tag des achten Monats)

Kampf und Niederlage um Westfall

Annique sitzt zusammengesunken auf ihrem Pferd und betet stumm. Es herrscht eine so vollkommene Stille, daß man die Zaumzeuge knarren hört, wenn die Pferde sich rühren. Ein säuselnder Wind streicht über das weite Feld vor der kleinen Befestigung Späherkuppe, wo sich die Lichtgläubigen und die Dämonen gegenüberstanden. Heute tritt der Orden den Rückzug an. Anni beendet ihr Gebet, blickt aber nicht auf. Die verschwommenen Bilder der lezten Tage rasen an ihrem inneren Auge vorbei.
Es ist Sommer, aber ein ständiger Nieselregen verwandelt die staubigen Felder in einen Sumpf. Sie waren voller Zuversicht, verbrachten die ersten Tage mit dem Errichten der Lager und dem Auskundschaften der Gegend. Kaum daß sie ihre Lager errichtet hatten tauchten die Dämonen wie aus dem Nichts auf. Die Luft war erfüllt von Waffenklirren, dem Krachen der Pistolen und den Schreien der Verwundeten. Anni konnte den Geruch von Blut nicht mehr ertragen, er schien an ihr zu kleben wie ein Pesthauch und bereitete ihr Übelkeit. Was weiter geschah liegt tief in Anni verborgen. Nichts, was sie bisher erlebt hatte, hatte sie auf ein solches Erlebnis vorbereitet. Eine Schwäche, Traurigkeit und dann unvorstellbare Qualen überwältigten und blendeten sie. Ein Felzauber ergriff von ihrem Körper und ihrer Seele besitz. Es fühlte sich an als sei sie eine Ewigkeit darin gefangen, als plötzlich ein Feuer die Qualen ablöste. Sie verbrannte von innen herraus. Sie hörte gellende Schreie und merkte nicht, dass es ihre eigenen waren. Doch das Feuer läuterte sie von diesem grauenvollen Makel des Fels und zurück blieb ein wundervolles Gefühl von Wärme, Mitgefühl und Liebe. Sie wünschte sich darin zu verlieren und nicht mehr zu sein.
Der zunehmende Regen reißt Anni aus ihren Gedanken. Der Rückzug beginnt. Unter dem weiten Ordensmantel verbirgt sie ihre magere Gestalt und den Arm, der schlaff und nutzlos an ihrer Schulter hängt. Dort hatte das Fel sie berührt. Sie hebt ihre müden Augen und betrachtet den Großmeister, dem sie so blind in den Kampf folgte. Geschlagen wirkt er, wie er gebeugt auf dem Pferd sitzt und die Standarte nur halb gehoben hält. Ihm, diesem aroganten und stolzen Mann, ist sie gefolgt. Wir standen allein den Horden der Dämonen gegenüber, voller Hochmut hatte er mögliche Verbündete durch sein Verhalten verärgert. Aber wer ist Annique schon, dass sie es wagt über den Großmeister zu urteilen.
Der Großmeister befiehlt uns und wir folgen.
Ein verschloßener Geist ist ein loyaler Geist.
(Annique Eisenberg, 22. Tag des achten Monats)

Seit einigen Tage irrte ich nun durch die Stadt. Immer wieder auf der Suche nach einem neuen Versteck. War es vielleicht ein Fehler die Kathedrale zu verlassen? Sie haben mir Schutz geboten, doch diesen Heuchlern liege ich nicht am Herzen, sie wollen nur Informationen. Religion ist Macht. Und das ist alles wo nach sie streben. Nein, es war richtig sich von Orden, Kirchen und dem Licht zu entfernen. Ich darf nicht an mir selbst zweifeln, denn das ist alles was ich noch habe. An weltlichen Werten festhalten. Schnaps und Münzen. Deshalb entschloss ich mich ein Taverne auf zu suchen. Eine volle, dreckige Spelunke. Eine weitere kleine Gestalt unter einer Kapuze verborgen wird dort wohl nicht auffallen. Ausgerechnet auf dem Weg zu diesem flüssigen Glück wurde ich gefunden. Mit allem hätte ich gerechnet nur nicht mit solch einem Monster. Ich war verwirrt, niemals würden sie solch ein verderbtes Wesen nach mir schicken. Nach einem sinnlosen Kampf merkte ich, dass er mich einfach wie ein Käfer hätte zertreten können. Er tat es aber nicht und befahl mir ihm zu folgen. Ein Angebot hätte er für mich. Vielleicht haben wir einen gemeinsamen Feind. Gegen seine Stärke kam ich nicht an, also was blieb mir anderes als zu folgen. Er trieb mich in dieser Nacht vor sich her. In irgendeine dunkle Gasse zu einem heruntergekommenen Haus. Ich solle eintreten und warten, denn er müsse einen Verfolger beseitigen. Ich traute ihm natürlich nicht und zögerte. Ich habe keinen Verfolger gesehen, nur ihn, dieses kalte unnatürliche Monster. Ich wollte mich zu ihm umdrehen als ich zu Boden gerissen wurde. Mein Hals fühlte sich an als sei er in zwei gerissen. Ich kann nicht mehr atmen, etwas warmes füllt meinen Mund. Ich versuche zu sprechen, greife nach meinem Hals und stoße schwach mit den Fingern gegen einen Holzschaft eines Pfeils. Das Monster beugt sich über mich. Ich versuche seine Augen zu erkennen. Unter seinem Helm erkenne ich nichts als ein blaues Leuchten. Er ergreift meine Hand, doch ich spüre nichts. „Möchtest du leben?“ fragt er. Ich möchte antworten, möchte schreien. Doch mein Mund ist gefüllt und ich röchel unverständlich. Ich möchte leben. Ich versuche die Hand vor meinen Augen zu drücken, ihm verständlich machen, dass ich nicht aufgeben möchte. Versteht er mich? Ein kurzer stechender Schmerz in meiner Brust und mich umgibt nur Kälte und die Schwärze der Nacht.
(Annique Eisenberg, 23. Tag des zehnten Monats)